Raus! Nicht nur dem Rücken zuliebe

Zugegeben,es gibt auch fragwürdige Aktionstage. Die meisten aber lenken den Blick auf die aktuelle Lage wichtiger gesellschaftspolitischer oder medizinischer Probleme. Einer aus dem Bereich „Gesundheit” gewinnt Jahr für Jahr an Bedeutung: der „Tag der Rückengesundheit“.

Ins Leben gerufen vom „Forum Schmerz” im „Deutschen Grünen Kreuz“ soll er immer am 15. März zur aktiven Prävention von Rückenbeschwerden aufrufen. Dass er jedes Jahr auf größeres Interesse stößt, liegt an der unerfreulichen Tatsache, dass sich die Beschwerden mit dem Kreuz zur Volkskrankheit ausgewachsen haben.

Auch in diesem Jahr lässt sich festhalten: Ärger mit dem Rücken bleibt an der Spitze der häufigsten medizinischen Problemen in Deutschland. Einer aktuellen Umfrage der „Aktion Gesunder Rücken“ (AGR) e. V.“ zufolge haben 70 Prozent der Deutschen mindestens ein Mal im Monat Rückenschmerzen. Von den insgesamt 1000 Befragten gab rund zwei Drittel an, sich durch ihre Schmerzen in der Lebensqualität eingeschränkt zu fühlen.

Muskelverspannungen als häufigste Ursache

Laut der „Aktion Gesunder Rücken e. V.” sind 90 Prozent der Fälle auf eine unkomplizierte Ursache zurückzuführen, meist auf muskuläre Verspannungen aufgrund von Fehlhaltungen, einseitigen Belastungen oder mangelnder Bewegung. Dabei werden Muskeln ungleich belastet, wodurch sich manche verkürzen oder verhärten. Ein klassisches Beispiel für eine erzwungene, stundenlange Fehlhaltung ist die Arbeit am Computer, im Sitzen oder am Schreibtisch. Da in immer mehr Berufsbildern der Computer eine Rolle als zentrales Arbeitsgerät spielt, sitzen immer mehr Menschen über weite Strecken des Tages. In Stresssituationen verkrampfen viele zusätzlich und denken in dieser Situation erst recht nicht daran, zwischendurch für ausreichende Gegenbewegung zu sorgen. Ein zentrales Thema dabei können auch falsch eingestellte oder veraltete Bürostühle und Schreibtische sein, die sich nicht an die individuellen Bedürfnisse des einzelnen anpassen lassen.

Die Folge: Verspannungen und Schmerzen. Anders als Störungen der Nervenfunktion oder Erkrankungen des Skeletts sind Rückenschmerzen als Folge von zu wenig Bewegung auch durch Bewegung in den Griff zu bekommen. Detlef Detjen von der „Aktion Gesunder Rücken e. V.“ erklärt, dass es einer kleinen Massage gleichkomme, wenn Muskeln und Gelenke bewegt werden. Eine Schonhaltung dagegen verstärke die Schmerzen.

Rückengesundheit als Summe mehrerer Komponenten

Seit seiner Einführung steht der „Tag der Rückengesundheit“ unter einem speziellen Motto. Diese Wahlsprüche lassen schon erkennen, wie vielseitig die Ursachen von Problemen mit dem Kreuz sind: „Tu’s für Dich – täglich 15 Minuten Rückenfitness“ (2014) gab zu verstehen, dass regelmäßiges, gezieltes Training viel bewirken kann. „Sie haben es in der Hand – Rückenschmerzen bieten Chancen“ (2015) spielte darauf an, dass psychische Widerstandsfähigkeit der Rückengesundheit nur förderlich ist beziehungsweise eine aktive Geisteshaltung dabei hilft, mit Rückenschmerzen umzugehen und das Leben rückenfreundlich umzugestalten. „Ergodynamik – bringen Sie Ihren Alltag in Bewegung“ stellte Herangehensweisen für Rückengesundheit am Arbeitsplatz, an der Schule oder im Kindergarten vor. „Balance halten – Rücken stärken“ hingegen unterstrich erneut die Bedeutung von psychischer und physischer Balance für die Rückengesundheit.

Das Motto des diesjährigen Tags der Rückengesundheit spielt erneut auf die positiven Nebenwirkungen an, die regelmäßige Bewegung vor allem in der Natur haben kann: „Rückenfit an der frischen Luft“. Laut der „Aktion gesunder Rücken e. V.“ wird bei einem Spaziergang, bei einer Radtour, beim Nordic Walking oder beim Inline-Skaten, Kanufahren beziehungsweise bei einer Partie Golf der Stoffwechsel angeregt, der Blutdruck gesenkt, die Voraussetzungen für guten Schlaf werden geschaffen und die Bildung von Glückshormonen angeregt. Ganz zu schweigen natürlich vom positiven Effekt auf die Rückenmuskulatur. Als Faustregel gelte: Nicht die Intensität der Bewegung ist entscheidend, sondern die Regelmäßigkeit. Zusammengefasst bildet das eine alte Erkenntnis: Wer sich in der Natur bewegt und sportliche Aktivität im Freien genießt, belebt Körper und Geist – und bekommt durch das Tageslicht einen Gute-Laune-Boost.

Doppelt gut: Bewegung an der frischen Luft

Im Fokus steht, dass regelmäßige Bewegung bestehende Rückenprobleme lindern oder sogar beheben kann beziehungsweise die Voraussetzungen dafür schafft, dass sie erst gar nicht entstehen. Bei Aktivitäten an der Luft gibt es ein umfangreiches Gratis-Paket für Körper und Geist obendrauf. Ein paar Beispiele: Die Produktion des Schlaf-Hormons Melatonin wird reguliert, so dass sich Körper und Geist in der Nacht erholen können. Zell-, Zucker- und Feststoffwechsel lassen den Blutdruck sinken und beruhigen den Puls. Licht und Luft sorgen buchstäblich für gute Laune: jede Menge Glückshormone werden ausgeschüttet.

„Bereits wenige Minuten körperlicher Aktivität in der Natur heben unsere Laune und verbessern unser Selbstwertgefühl“, so Detlef Detjen von der „Aktion Gesunder Rücken e. V.“. Er hat Beispiele für rückenfreundliche Freiluft-Aktivitäten parat, für die man rein gar nichts außer ein paar Sport- oder Trekkingschuhe braucht: Wandern, Walking, Laufen, Bergwandern, Schwimmen, Gymnastik, Yoga oder Meditiation. Wer lieber mit Geräten aktiv wird, dem empfiehlt er Radfahren, Nordic Walking, Inline-Skating, Volleyball, Basketball, Federball, Beachball, Klettern, Slackline, Skifahren, Segeln, Surfen, Kanufahren, Fußball, Tennis, Golf oder Triathlon.

Selbstverständlich sind auch Aktivitäten, die sich schlecht auf täglicher Basis verwirklichen lassen, förderlich – vor allem, wenn sie als Ergänzung zu einem regelmäßigen Bewegungsprogramm ausgeführt werden: Fitness-Bootcamps können den Katalog bekannter Übungen für den Sport-Alltag erweitern. Functional Outdoor Training kann das Bewusstsein dafür schärfen, was mit dem eigenen Körpergewicht und „Geräten“ wie Baumstämmen, Parkbänken oder Geländern alles möglich ist – und in Spiel- und Erlebnisplätzen oder Kletterparks lässt sich einfach nur sportlich Spaß haben.

Angebote und Veranstaltungen am „Tag der Rückengesundheit“

Auch am diesjährigen „Tag der Rückengesundheit” bieten zahlreiche ärztliche und therapeutische Praxen, Rückenschulen, Apotheken und Fachgeschäfte ein umfangreiches Programm – deutschlandweit. Im Mittelpunkt stehen Workshops, Schnupperkurse, Vorträge, Mitmachaktionen, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen, die das Thema „Rückengesundheit” zur Hauptsache machen. Die spektakulärste Aktion wird ein Flashmob sein: Um Punkt 16 Uhr werden in Städten an zentralen und gut besuchten Orten Rückenübrungen gezeigt. Das Ziel ist, Passanten zum Mitmachen zu bewegen.

Alle Aktionen, Informationen und Neuigkeiten zum „Tag der Rückengesundheit” gibt’s im Internet auf der Homepage der „Aktion gesunder Rücken e. V.” auf www.agr-ev.de

Quellenhinweis alle Fotos: BdR e. V.

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